Wie die Idee der LEDHelme entstanden ist.

Ich möchte hier "kurz" erzählen wie ich auf die Idee mit den LEDHelmen gekommen bin. Es scheint ziemlich einleuchtend zu sein (versprochen ab jetzt keine schlechten Wortwitze mehr), einen Helm mit einer Beleuchtung auszustatten. Das hat mir zumindest jeder bestätigt, dem ich von meinem Projekt berichtet habe. Außerdem wurde mir sehr oft mitgeteilt, dass es das schon gibt. Und tatsächlich, es gibt schon Helme mit Beleuchtung! Und sogar mit LED! Verdammt, also doch keine so tolle Idee? Ich habe mir diese Helme also mal angeschaut und tada: Das war nicht unbedingt das, was ich bei mir im Kopf hatte! Eine kleine mickrige LED am Hinterkopf? Das wird das Problem nicht lösen, welches ich lösen wollte! Und welches war das? So, damit springe ich zum Anfang, also zum Zeitpunkt meiner "Eingebung". 

Es fing damit an, dass ich mein Auto verkauft (45 Minuten Parkplatzsuche nach der Arbeit waren mir einfach immer zu blöd) und mir dafür ein neues Fahrrad gekauft habe. Ich hatte zwar schon ein altes Fahrrad, aber der Schmerz über den "Verlust" meines ersten eigenen Autos musste ja irgendwie gelindert werden. Also, neues Rad (Mountainbike, aber mit Ballonreifen, sieht nicht nur überragend aus, ist auch sehr angenehm zu fahren und besonders durch meine "Slicks" werde ich auch gut schnell). Jetzt begannen aber die neuen Probleme.

Erstes Problem: Es ist November. Es ist sau kalt und die ersten Wochen muss ich die U-Bahn zur Arbeit nehmen. Doch sobald es von den Straßen her einigermaßen geht (Slicks und Schnee ist nicht der ganz optimale Mix), hüpfe ich aufs Fahrrad. 

Zweites Problem: Es ist immer noch Winterzeit. 

Drittes Problem: Ich bin der Anti-Morgenmuffel und stehe manchmal schon um 4 Uhr (morgens!) auf, und bin immer spätestens um 7 Uhr am Arbeitsplatz. Problem zwei mit drei kombiniert ergeben einen ziemlich dunklen Arbeitsweg. Und trotz sau teurer (und damit bester? sehr zu bezweifeln!) Beleuchtung an Lenker und Sattel fühle ich mich von den Autofahrern (und einmal von einem Trambahnfahrer) nicht so richtig wahrgenommen, oder gar komplett ignoriert, quasi wie ein Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse. Mein Weg zur Arbeit führt einen großen Teil auf einem Fahrradweg parallel zu einer zweispurigen - ich nenne es mal - Schnellstraße. Es sind 50 km/h erlaubt, aber auch ich und selbst jeder 90-jährige Rentner fährt auf dieser Straße mindestens 70 km/h. Ein Sprichwort besagt ja "Wer schnell fährt, muss auch schnell abbiegen" oder so ähnlich... Und wer schnell abbiegt (vor allem Rechtsabbieger), der hat nicht viel Zeit zu überprüfen, ob da jetzt ein Fahrradfahrer von hinten kommt oder nicht.

Ich mache den meisten dieser Autofahrer auch keinen allzu großen Vorwurf. Ich bin ja selbst mit ordentlich Tempo unterwegs. Und wer sich blind darauf verlässt, dass andere einen sehen, dem kann man nur viel Glück (Hals- und Beinbruch kommt dann von alleine) wünschen. Und so wurde ich in meiner ersten Woche auf dieser Strecke 4 Mal! fast (hat zum Glück nie geknallt, meinen Bremsen sei Dank) von Rechtsabbiegern weggepflügt! 

Bei einer dieser ganz brenzligen Situationen wurden mir zwei Dinge klar. 

Erstens: Sollte sich wirklich mal ein Autofahrer für mich als Kühlerfigur entscheiden, dann wird das nicht gut für mich ausgehen. Knochen wachsen wieder zusammen, aber das Hirn ist leider kein Knochen. Also werde ich einen Helm brauchen, warum ich mich bisher dagegen verweigert hatte, kann ich wirklich nicht erklären. Wahrscheinlich muss immer erst was passieren.

Zweitens: Es ist dunkel. Mein Licht am Lenker ist hell, sehr hell sogar. Warum zum Teufel sehen mich die Rechtsabbieger denn dann nicht? Gut, ich bin zügig unterwegs, aber kann es wirklich nur daran liegen? Nein! Ganz und gar nicht! Mein Licht kann noch so hell sein, wenn ich an den geparkten Autos vorbeifahre, sind weder Vorder- noch Rücklicht von der Straße aus zu sehen. Der Lenker mit dem montierten Licht ist einfach zu niedrig. Auf Kopfhöhe und seitlich wäre das viel cleverer. Auf den letzten paar Meter vor einer Seitenstraße dürfen keine Autos parken, eben damit die Radfahrer gesehen werden. Sind diese aber dann, wie ich zu schnell unterwegs, dann reicht die Zeit nicht aus, sie zu erfassen. (Zweideutig ich weiß. Ich meine natürlich mit dem Auge und nicht mit dem Auto). 

Und das war schon alles, was es zum ersten Einfall zu erzählen gibt. Ab hier war mir eindeutig klar, was ich zu tun hatte. Einen leuchtenden Helm finden. Muss es ja geben. Und? Gibt es nicht! Zumindest nicht so, dass man ihn von allen Seiten aus sehen kann. Jetzt war der Helm aber in meinem Kopf und ich musste ihn auch auf dem Kopf haben. Dann mach ich das eben selbst, war die einzige Lösung die mir dazu einfiel. Wie das aber immer so ist, man ist doch mit einem erträglichen Job, einer festen Beziehung, einem netten Freundeskreis und zeitraubenden Hobbys ziemlich eingespannt. Die Idee verschwand also langsam wieder aus meinen Gedanken. 

Bis zu diesem Heimweg im Frühjahr 2017. Es war ca. 19 Uhr und ich fahre durch eine gemütliche Siedlung im Münchner Süden  heimwärts. Es ist schon recht dämmrig. Ich bin nicht besonders schnell unterwegs, den Heimweg versuche ich stets zu genießen und mich nicht zu stressen. Ich sehe auf dem rechten Fußgängerweg zwei Damen stehen. Die eine wippt den vor ihr stehenden Kinderwagen, um ihr Baby friedlich schlummern zu lassen. Die andere erzählt ihr eine nette Geschichte. Die beiden lachen und nehmen mich nicht großartig wahr, als ich noch ein paar Meter von ihnen entfernt bin. 

Doch plötzlich sehe ich wie die Frau ohne Kinderwagen ein erschrockenes Gesicht macht. Perplex durch ihre plötzliche Stimmungsänderung, fixiert sich meinen Blick auf ihrem Gesicht. Sie dreht sich panisch in einer ruckhaften Bewegung um. Für den Bruchteil einer Sekunde glaube ich, dass sie auf mich zulaufen will. Im nächsten Bruchteil dieser Sekunde ziehen sich die Finger meiner beiden Hände zu Fäusten zusammen. Mein Körper wird nach vorne gepresst. Die Füße setzen sich reflexartig auf dem Boden ab, um mir Halt zu geben. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Mit großen Augen schaue ich in die großen Augen eines kleinen Buben, dessen Bein meinen Vorderreifen berührt. Er ist genauso sprachlos wie ich. Sein Mund steht vor Schreck offen. Er wird von seiner Mama hochgenommen und begutachtet. Ihr Gesicht entspannt sich nur langsam, doch die Erleichterung verdrängt allmählich die Angst. Ein zittriges "Danke" huscht sie mir zu, noch unschlüssig, ob sie mir böse oder wirklich dankbar sein soll. Sie erklärt ihrem kleinen Buben mit deutlichen Worten, was er durch sein unvorsichtiges Fahrmaneuver beinahe angerichtet hat. 

Wie konnte denn das schon wieder passieren? Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich aufmerksam durch die Gegend fahre. Durch die Siedlung bin ich zuvor bestimmt an die 50 Mal gefahren und die beiden Damen waren auch nicht die ersten Menschen, die ich je hier gesehen habe. Großartig abgelenkt oder in Gedanken versunken kann ich also nicht gewesen sein. Zumindest in der Nachbetrachtung... Doch den kleinen Bub (er ist zu dem Zeitpunkt drei Jahre alt und heißt Max), mit seinem dunkelroten Fahrrad, seiner blauen Jeans und seinem blauen Helm, habe ich vor der dunkelgrünen Hecke einfach nicht gesehen. Er ist weder hinter einem Auto hervor gekommen, noch ist er schnell gefahren. Tatsächlich hat Max einfach nur auf den Boden geschaut und sich das Gefälle des Gehweges zu Nutze gemacht, um langsam vorwärts zu rollen. 

Die Notwendigkeit meines ersten Einfalls hatte sich also schlagartig auf einen zweiten Bereich ausgeweitet. Und dieser war noch viel dringlicher. Auf dem Rest des Heimweges konnte ich an nichts anderes mehr denken als: Es muss einen leuchtenden Helm für Kinder geben! Und zwar einen der wirklich gesehen wird, weil er wirklich leuchtet! Mein Neffe ist zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre alt. Wenn er in ein paar Jahren (oder früher, das ist ein fantastisches, energiegeladenes, aktives, kleines Kerlchen) mit dem Fahrrad oder Laufrad anfängt durch die Straßen zu jagen... dann muss er einen solchen Helm tragen!

Daheim angekommen setze ich mich sofort an den Laptop, um eben genau so einen Helm für ihn zu kaufen.
Ergebnis: Nichts.
Akzeptiere ich das? Nicht ganz mein Stil. Also, suche ich nach Produzenten die individuelle Helme herstellen. 
Ergebnis: Nichts. 

Zumindest nicht in Deutschland. Find ich sch... schade, wollte ich doch Germany great again machen, aber dann mach ich Germany eben safe again, angefangen bei Fahrradhelmen. Kurz suche ich mir raus was ich für die Produktion eines eigenen Helmes brauche. Also Maschinen, Material, etc. Wie gesagt, mache ich das nur kurz. Ich bin Doktorand an der Uni und schwimme somit nicht gerade in Geld. Dann eben erstmal keine eigene Fabrik. Wer stellt mir jetzt aber meinen Fahrradhelm mit Beleuchtung her? 

War ja klar - die Chinesen. Ach warum denn eigentlich nicht? Ich war noch nie in China, und wenn ich mir von denen meine Helme produzieren lasse, ergibt sich bestimmt irgendwann mal die Gelegenheit ihre Fabrik zu besuchen. Ein schöner Grund ein neues Land kennenzulernen, wie ich diesem Moment finde. 

Ich schreibe einen kurzen Text, in welchem ich mich und mein Vorhaben vorstelle. Es gibt keine LED-Helme oder beleuchtete Helme here in Germany and I want to change that fact. Und so weiter und so fort. Diesen Text schicke ich dann individuell angepasst an 20 verschiedene Hersteller von Helmen in China, über die ich erfahren habe, dass sie auch für die großen "Helmfirmen" produzieren. Für welche steht nirgends. Aber ich will ihnen mal glauben. 

Unsicher, wie ich mich dann für einen der Produzenten entscheiden soll, warte ich gespannt auf all die Antworten. Und warte. Und warte. Erst nach drei Wochen kommt dann eine Antwort. Bei dieser einen ist es bis heute auch geblieben. Den Chinesen geht es offensichtlich zu gut...Vielleicht war aber auch mein Text einfach scheiße.

Zu meinem Glück kommt die Antwort aber von dem Hersteller, welchen ich erst im Nachhinein gefunden habe und dessen Helme mir ganz besonders gut gefallen haben. Vielleicht war meine Nachricht an diesen Produzenten persönlicher, professioneller und einfach besser formuliert als die anderen und deshalb haben sie mir geantwortet. Ich habe bis heute nicht nachgefragt, man will ja zumindest professionell erscheinen, wenn man noch ein totaler Amateur ist. 

May - das ist der Name der Sales-Dame - schreibt mir sie findet es toll, dass ich Helme mit LEDs in Germany verkaufen will und das ist alles gar kein Problem. Wie viele ich denn haben will, fragt sich mich noch beiläufig - 500 oder 1000 Stück. Hmm, der kleine Philipp Paul hat plötzlich Angst und möchte aus dem Kinderparadies abgeholt werden.

Es dauert einen Monat bis ich fertig durchgerechnet habe und endlich entscheide. Du hast X € auf der Bank, du brauchst Y € für das und das und das (Dinge die ich in nächster Zeit zu kaufen plante und Urlaub usw.) und die Bestellung (ich konnte zum Glück auch erstmal nur 100 Helme bestellen, was mit der Herstellung einer neuen Helm-Gussform und Zertifizierung etc. nicht gerade viel Sinn machen würde) kostet dich Z €. Worst Case: Du verkaufst keinen einzigen der Helme und hast mal geschmeidige Z € in den Sand gesetzt (hast aber für die nächsten 20 Jahre überragende Geburtstagsgeschenke für all deine Freunde und Verwandten). 

Die Kinderform würde etwa fünf Monate dauern, aber eine Form für einen Erwachsenenhelm geht schneller.
Ich: Warum?
May: Das ist einfach so.  (Hat sie so natürlich nicht gesagt in ihrem unglaublich schlechten Englisch)
Ich: Ne, also ich will jetzt schon wissen warum!
May: Erstens haben wir hierfür schon Formen, die wir nur leicht anpassen müssen und zweitens dauert die Zertifizierung bei Kinderhelmen länger.
Ich: Warum? 
May: Ist komplizierter. Und Kinderhelme lassen sich eh nicht so leicht verkaufen.
... viele Mails und Gespräche und einen weiteren Monat später beschließe ich es mit den Helmen für Erwachsene zu versuchen. Es geht schneller und ich sehe dann zumindest mal wie die Leute da arbeiten. Ich glaube so kommen alle schneller an einen beleuchteten Helm. Und ich will jetzt endlich einen Helm mit Beleuchtung in den Händen halten.
Ich: Oh man. Produziert sie.
May: Great. Du wirst es nicht bereuen. 
Ich: Schau ma mal.
May: Das versteh ich nicht.

So, ich weiß jetzt, dass die Leute in China ordentlich arbeiten. Fantastische Qualität. Design so wie gewünscht umgesetzt. Alle Tests durchgeführt. Sobald eine Zahlung von mir bei ihnen eingegangen ist, wurde mir auch vertraulich mitgeteilt, welche Unternehmen ihre Helme bei ihnen produzieren lassen. Da vertraulich, werde ich diese hier natürlich nicht nennen - nur so viel, man kennt sie. Ordentlich bedeutet allerdings auch langsam. Zumindest in China oder zumindest in einer chinesischen Helmfabrik. Weshalb wir auch immer noch keine Kinder- und Damenhelme, verschiedene Farben oder Modelle im Shop haben. Wir bemühen uns und werden euch das alles bald bieten können. Bitte habt Geduld mit uns!

Der nächste Schritt wird selbstverständlich dann die Produktion in Deutschland sein. Und der übernächste Schritt wird die eigene Produktion sein. Bis dahin müssen wir aber noch viele Helme verkaufen. Und das schaffen wir nur mit eurer Hilfe. Entweder ihr findet den Helm super und empfehlt uns weiter oder ihr findet ihn, naja zumindest nicht perfekt - und teilt uns das bitte auch mit. Und so wird aus unserer Geschichte auch eure Geschichte. Hat doch was, oder? 


Euer Philipp Paul Wittenbrink